Jede Praxis kennt diese Fälle: vergleichbarer Befund, vergleichbare Mundhygiene, völlig unterschiedlicher Verlauf. Das könnte sich unter anderem in der unterschiedlichen Ernährungsweise begründen.
Von der Zahnfleischtasche in den Blutkreislauf
Im entzündeten Zahnhalteapparat werden neutrophile Granulozyten, Makrophagen und Th17-Zellen aktiviert. Sie setzen entzündungsfördernde Zytokine frei (IL-1β, IL-6 und TNF-α). Gleichzeitig gelangen bakterielle Produkte und Endotoxine aus dem Speichel in die Blutbahn. Die Folgen sind durch Entzündungsparameter messbar. CRP steigt, Serum-Amyloid A erhöhen sich und die Blutversorgung wichtiger Organe verschlechtert sich.
Bedingt durch diese Entzündungsprozesse ist das Spektrum der möglichen Erkrankungen entsprechend breit: Atherosklerose und Herzinfarkt, Diabetes mellitus Typ 2, rheumatoide Arthritis, neurodegenerative Erkrankungen. Bei Leistungssportlern kommt hinzu, dass alltägliche Belastungen bei bestehender Parodontitis deutlich häufiger zu bakterielle Blutinfektion führen.
Parodontitis gilt als chronische Entzündungserkrankung mit systemischen Symptomen. Für die Behandlung dieser Entzündung ergibt sich daraus die Frage, welche Rolle die Ernährung neben den gewohnten Therapiemöglichkeiten spielen kann.
Eine gründliche Untersuchung hat anschaulich gezeigt, der tägliche Verzehr von z.B. Heidelbeeren half die Zahnfleischblutung bei Patienten mit Zahnfleischentzündung signifikant zu reduzierte. Die signifikante Reduktion war neben der üblichen Mundhygiene zu verzeichnen.
Phytonährstoffe
Sekundäre Pflanzenstoffe greifen an unterschiedlichen Stellen des Entzündungsverlaufs an. Für die Parodontologie sind vier davon gut untersucht.
Curcumin hemmt ein Entzündungsfaktor (NF-kB) und unterdrückt so die für Parodontitis verantwortlichen entzündungsfördernden Zytokine (TNF-a und IL-6). In klinischen Untersuchungen zeigten sich Verbesserungen bei Sondierungstiefen, Plaque- und Blutungsindex sowie eine antibakterielle Wirkung. Es zeigten sich auch protektiven Effekt auf Binde- und Knorpelgewebe gegenüber (IL-1β-induzierter) Degeneration.
Die Farbstoffe aus z.B. Heidelbeeren, schwarzen Johannisbeeren und Brombeeren neutralisieren freie Radikale, blockieren entzündungsfördernde Enzyme [COX- und LOX] und senken oxidativen Stress. Beschrieben ist außerdem eine Reduktion parodontitis-assoziierter Keime sowie eine Förderung der Wundheilung.
Boswelliasäuren hemmen die entzündungsfördernde Enzyme [COX] und blockieren die Bildung von das entzündungsregulierende Hormon [Prostaglandin E2] einen Weg, den klassische entzündungshemmende Medikamente(Aspirin) nicht erfassen. Antibakterielle Effekte sind gut beschrieben, dazu eine Unterstützung der Geweberegeneration.
Diese Substanzen wirken unterstützend, parallel zur parodontalen Therapie.
Außerdem eignen sich diese sehr gut für ein zahnärztliches Prophylaxe-Protokoll
Eine Ernährung, die reich an (löslichen) Ballaststoffen und Mikronährstoffen sowie niederglykämisch ist, wirkt anti-entzündlich. Studien zeigen unter solchen Ernährungsformen Verbesserungen des Zahnhalteapparats ebenso wie systemischer Entzündungsmarker.
Phytonährstoffe wirken auf die Entzündungsbereitschaft des Gewebes und ergänzen die mechanische Therapie, sie treten nicht an deren Stelle.
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