Praxis für Ganzheitliche Zahnmedizin
Praxis für Ganzheitliche Zahnmedizin

Mundgesundheit durch Ernährung

Auswirkungen von Makro- und Mikronährstoffen auf den Gesamtorganismus und die Mundgesundheit.

 

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hat sowohl Einfluss auf die Mund- als auch auf die Allgemeingesundheit. So ist auch Karies und Parodontitis häufig eine Folge einer qualitativ mangelhaften Ernährung.

 

Während für die Karies die Abhängigkeit zur Ernährung schon vor Jahren wissenschaftlich untermauert wurde (mit Kohlenhydraten als Schlüsselsubstrat für Karies-Bakterien), ist der Bezug zwischen Ernährung und Parodontitis vermehrt in den Fokus der Wissenschaft Getreten.

 

Gemüse enthält eine Vielzahl an anti-entzündlichen Stoffen und Ballaststoffen und ist dementsprechend gut gegen parodontale Entzündungen und Karies

Einflüsse der Makronährstoffe auf die orale und allgemeine Gesundheit
Makronährstoffe, zu denen Kohlenhydrate, Fette und Proteine zählen dienen neben der Energiebereitstellung unter anderem dem Zellwandaufbau, der Bereitstellung für Ausgangssubstanzen und dem Muskelaufbau.

 

Kohlenhydrate

Eine wichtige Unterscheidung der Kohlenhydrate kann in ihrem Verarbeitungsungsgrad gesehen werden. Aufgrund von kulturellen Einflüssen, wird mittlerweile ein Großteil der Kohlenhydrate in verarbeiteter Form gegessen. Diese Verarbeitungsungsschritte (z.B. vom Getreide zu Mehlprodukten) haben jedoch erhebliche negative physiologische Konsequenzen. Stark verarbeitete Kohlenhydrate wie Zucker und Mehlprodukte oder Fruchtsaft bewirken (ohne den natürlichen Zusatz der Ballaststoffe) einen unnatürlich starken Anstieg des Blutzuckers, der wiederum eine unnatürlich starke Insulinsekretion auslöst. Diese starke Insulinsekretion hat wiederum zur Folge, dass nach 1 bis 3 Stunden ein leichter Unterzucker auftritt, der im Körper eine Stressreaktion bewirkt und zumeist mit erneutem Hunger einhergeht - und das mehrmals am Tag. Dies hat jedoch erhebliche negative Konsequenzen für die Gesundheit: Neben einer erhöhten Dauerstresssituation und einem erhöhten Hunger mit langfristiger Gewichtszunahme wird das Immunsystem immer wieder moduliert, sowohl in Form einer Immunsuppression als auch in Richtung einer Hyperreaktivität. Dies lässt sich auch in Form von erhöhten systemischen Entzündungs-Markern oder Tumornekrosefaktor-α darstellen.

Backwaren enthalten viele entzündungsfördernde Fette und viel Zucker, sowie kaum Mikronährstoffe oder Ballaststoffe.

Dementsprechend ist das Paradebeispiel in Form von Zucker (Saccharose) bei langfristigem und regelmäßigem Konsum mit einer Reihe von schwerwiegenden Erkrankungen korreliert wie vermehrte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypertonie, Hypercholesterinämie, Tumorerkrankungen, Diabetes Typ II, Übergewicht, Depression, Stresserkrankungen und andere Erkrankungen. In dieser Gesamtheit der negativen Auswirkungen erscheint es nicht verwunderlich, dass Zucker auch mit mehr Gingivitis und Parodontitis korreliert ist. Mittlerweile können Studien auch einen plaquefördernden Effekt von Zucker auf Implantaten zeigen.
Im Gegensatz zu den stark verarbeiteten Kohlenhydraten haben naturbelassene Kohlenhydrate(z.B. Obst und Gemüse) mit ihren Ballaststoffen überwiegend positive Effekte auf die allgemeine als auch die Mundgesundheit: Sie reduzieren die starke Insulinsekretion, Cholesterin, Blutdruck und Hunger und wirken durch erhöhten Speichelfluss remineralisierend an Zahnhartsubstanzen. Zudem reduzieren sie sowohl die systemische als auch die parodontale Entzündung. Ein weiterer wichtiger Effekt der Ballaststoffe die Förderung der gesunden Bakterien (Probiotika) sowohl in der Mundhöhle als auch im Darm.

Stark verarbeitete Kohlenhydrate (wie Süßigkeiten) beeinflussen stark den Blutzucker und fördern parodontale Entzündungen und Karies.

 

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt inzwischen (s)low-carb, eine Ernährungsweise, die der gesundheitlichen Auswirkungen wie Karies, Parodontitis und schwerwiegenden Allgemeinerkrankungen Rechnung trägt.

Fette
Fette dienen als wichtigster Energiespeicher des Körpers und sind essenzieller Bestandteil von Zellmembranen, Hormonen und Signalmolekülen. Aus gesundheitlicher Sicht ist eine Unterscheidung der Fette zwischen pro- und anti-entzündlichen Fetten hilfreich. Während gesättigte Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren entzündungsfördernd wirken, haben Omega-3- Fettsäuren eine anti-entzündliche Wirkung.

Omega-3-Fettsäuren, sind nicht kariesfördernd und reduzieren parodontale Entzündungen.

 

Gesättigte Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren kommen vor allem in tierischen Produkten (wie Landtierfleisch, Butter), aber auch in pflanzlichen Ölen (wie Sonnenblumenöl) vor. Während Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Leinsamenöl stammt. Die enzymatische Umwandlung aus Leinsamenöl ist jedoch auf 10% begrenzt.

Das Verhältnis im Konsum von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren seit der Zeit des Jäger-Sammler- Daseins hat sich von 1:1 zu 1:13 in der heutigen Zeit verschoben. Einige kontrollierte klinische Studien konnten zeigen, dass eine Supplementation von Omega-3 die Ergebnisse in der Parodontitistherapie verbessert.

Proteine
Proteine bestehen aus zusammengesetzten Aminosäuren, welche in allen Zellen vorkommen und dienen vornehmlich dem Aufbau, Erhalt und der Erneuerung von Körperzellen. Eine wichtige Unterscheidung ist ob die Proteine tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind. Dem roten Fleisch und verarbeiteten Fleischprodukten werden in Studientem krebserzeugende, Herz-Kreislauf-schädigende und diabetesfördernde Effekte nachgewiesen. Zudem können tierische Proteine im Gegensatz zu pflanzlichen Proteinen den Blutzuckeranstieg von einfachen Kohlenhydraten nochmals steigern. Bezüglich der Entzündungseinflüsse ist dabei wichtig, dass Veganer höhere antioxidative Blutwerte aufweisen im Vergleich zu Carnivoren.
Staufenbiel und Kollegen von der Universität Hannover untersuchten 100 Vegetarier und 100 Omnivoren in Bezug zu deren Mundgesundheit und konnten signifikant geringere Sondierungstiefen als auch ein signifikant geringeres Bluten auf Sondieren bei den Vegetariern feststellen. Allerdings wiesen die Autoren auch darauf hin, dass die untersuchten Vegetarier ein höheres Mundhygienebewusstsein hatten und intensiver Mundhygiene betrieben. In einer lateinamerikanischen Studie mit über 13.000 Teilnehmern war ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit einem signifikant häufigeren Vorhandensein von Parodontitis korreliert.
Nicht nur aus allgemeingesundheitlichen Gründen ist bei Vegetariern und Veganern eine Vitamin-B12-Supplementation notwendig, da diese langfristig einen Mangel erleiden können. Auch im Hinblick auf parodontale Entzündungen wirkt sich ein Vitamin- B12-Mangel negativ aus.

Mikronährstoffe
Mikronährstoffe dienen unter anderem lebenswichtigen enzymatischen, metabolischen und immunologischen Prozessen. Bei den Mikronährstoffen werden nochmals Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterschieden. Bezüglich der Karies sind vor allem die remineralisierenden Eigenschaften von Mineralstoffen von Bedeutung, bezüglich der Parodontitis vor allem die immunologischen und metabolischen Eigenschaften. In Bezug zur Parodontitis sind gut untersuchte Vitamine hierbei die Vitamine C, D und A.

Obst und Gemüse sind reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen und reduzieren nachweislich parodontale Entzündungen.

Vitamin C ist einer der lebenswichtigesten Antioxidantien, welches beim Fehlen zur Mangelerkrankung wie Skorbut führt. Schon früh wurde bei Seefahrern mit Skorbut festgestellt, dass als erstes Anzeichen eine Gingivitis mit anschließender Parodontitis und massivem Knochenabbau auftritt, die mit Vitamin-C therapiert werden kann.

 

Querschnittsuntersuchungen konnten zeigen, dass Patienten mit Parodontitis signifikant weniger Vitamin-C-haltige Lebensmittel zu sich nehmen und auch signifikant geringere Serumwerte von Vitamin C aufweisen als Patienten ohne Parodontitis. Eine klinische, randomisierte Studie konnte zeigen, dass der Konsum von Vitamin-C-reichem Obst und Gemüse das Bluten auf Sondieren von Parodontitispatienten um durchschnittlich 7% senken kann. Eine andere Studie zeigte eine Reduktion der Gingivitis von 37% durch Konsum von 300 g vitamin-C reichem Obst täglich über 2 Wochen.

Vitamin D kommt nur in geringen Mengen in der Nahrung vor und wird vor allem durch die Haut unter Sonnenlichteinwirkung gebildet. Vitamin D kommt eine besondere anti-entzündliche und knochenmetabolische(Kiefer) Wirkung zu. Durch die geografische Lage von Europa und das durchschnittliche Freizeitverhalten der Bevölkerung, das besonders im Winter wenig Kontakt von Sonnenlicht zur Haut zulässt, zeigen viele Europäer v.a. im Winter einen Vitamin-D-Mangel. Daher empfehen Experten eine Supplementation von 2000-5000 internationalen Einheiten (IE) täglich, je nach Jahreszeit und Mangelversorgung. Der optimale Wert im Blut liegt bei 40 bis 50 μg/ml. Bezüglich der Karies konnte gezeigt werden, dass Kinder mit geringen Vitamin- D-Werten häufiger Karies haben als Kinder mit suffizienten Vitamin- D-Werten. Ein interessanter Aspekt ist dabei, dass Vitamin D die Calciumaufnahme aus der zugeführten Nahrung erhöht. Bezüglich der Parodontitis konnte gezeigt werden, dass eine kombinierte Vitamin-D- und Calcium-Supplementation den Zahnverlust im Alter signifikant verringern kann.

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin, welches vor allem für eine intakte Haut, die Schleimhaut und die Augenfunktionen von Bedeutung ist. Vitaminexperten empfehlen eine tägliche Aufnahme von 2400-3000 IE. Neben Möhren, Spinat und Grünkohl sind vor allem Leber und fette Seefische reich an Vitamin A. Im Bezug zur Parodontitis konnten Querschnittsstudien zeigen, dass Parodontitis mit niedrigen Vitamin-A-Serumwerten korreliert ist. Neben den bereits aufgeführten Vitaminen sind aber auch für die B-Vitamine und die Vitamine E und K Bezüge zur Parodontitis beschrieben worden.

 

Abgesehen von den Vitaminen sind auch Mineralien und Spurenelemente für die parodontale Entzündung von Bedeutung. Neben ihrer anti-entzündlichen Wirkung haben sie wichtige Funktionen beim Stoffwechsel und Immunsystem. In Bezug zur Parodontitis scheinen vor allem Calcium und Magnesium einen wichtigen Einfluss auf die Parodontitis zu haben. Bezüglich der Spurenelemente sind vor allem für Eisen, Zink, Kupfer und Selen wichtige Bezüge zur Parodontitis beschrieben.

Fasst man die beschrieben Ergebnisse zusammen, lässt sich schlussfolgern, dass für die Prävention von oralen Erkrankungen eine mikronährstoffreiche Ernährung zu empfehlen ist.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Blaubeeren sind reich an Antioxidantien und Polyphenolen und senken nachweislich parodontale Entzündungen, Blutdruck und Cholesterin.

 

Sekundäre Pflanzenstoffe (oder Phyotchemikalien) sind Stoffe, die von Pflanzen produziert werden, aber nicht für deren Energiehaushalt oder Stoffwechsel benötigt werden. Sie haben zumeist eine antioxidative und anti-entzündliche Wirkung. Die bekanntesten sekundären Pflanzenstoffe sind wahrscheinlich die Alkaloide Nikotin und Koffein. Unter den sekundären Pflanzenstoffen finden sich einige interessante Verbindungen mit positiven Effekten auf die orale Gesundheit wie unter anderem auch für Koffein (in Form von Kaffee) oder Epigallocatechin (aus dem grünen Tee). Zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen aber auch die Polyphenole (wie z.B. aus Blaubeeren oder Rotwein). Gerade für Blaubeeren konnte eine schwedische Studie(500 g täglich) einen eindrucksvollen gingivitisreduzierenden Effekt finden.

Pflanzliche Nitrate
Im Gegensatz zu Nitraten im Trinkwasser und Nitraten von gepökeltem Tierfleisch, die mit einem erhöhten Auftreten von Krebs in Verbindung stehen, haben pflanzliche Nitrate Gesundheitsvorteile insbesondere bezüglich des Blutdrucks und der Entzündungen. Hintergrund ist die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit durch Bakterien am Zungengrund und die weitere Umwandlung von Nitrit zu Stickstoffmonoxyd (NO) im Magen, welches wiederum anti-inflammatorisch und gefäßerweiternd wirkt. Für den Bereich der Mundgesundheit haben Wissenschaftler der Universität Würzburg zeigen können, dass 300 ml nitrathaltige Salat-Smoothies täglich für 14 Tage gingivale Entzündungen signifikant reduzieren können.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die dargestellten Studien zeigen die vielfältigen und wichtigen Möglichkeiten, die allgemeine und orale Gesundheit mittels Ernährung zu verbessern oder zu erhalten. Dem Patienten (und dem Zahnarzt selbst) kann dabei eine einfache Ernährungsformel an die Hand gegeben werden:
Vermeiden von stark verarbeiteten Kohlenhydraten (wie Zucker, Mehlspeisen und Frucht-Säften) und einem Fokussieren auf komplexe Kohlenhydrate reich an Ballaststoffen (wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn)
pflanzenbasiert, vegetarisch, fleischarm oder vegan (mit Berücksichtigung von genügend Omega-3-Fettsäuren und Vitamin B12)
mikronährstoffbetont (vor allem in Hinblick auf Vitamin C, D und A)
Fokussierung auf Omega-3-Fettsäuren und Vermeidung von tierischen Fetten, Omega-6-Fettsäuren und Transfetten
Vollwertkost (möglichst unverarbeitet mit einem hohen Anteil an Mikronährstoffen und Ballaststoffen)

ZA Michael Mansson

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